Ein typisches Fall!

Zeitungsartikel Okt2010Um einen Einblick zu geben in meine Arbeit, schreibe ich heute über Martin. Martin ist 9,5 Jahre alt und kam vor 4 Monaten das erste mal zu mir. Es war ein Artikel in der Zeitung über mich veröffentlicht worden und die Eltern waren wegen einiger im Artikel genannten Symptome aufmerksam geworden und fragten sich, ob dies die Erklärung für Martins auffälliges Leseverhalten sein könnte.

 Martin ist ein überaus begabter und überdurchschnittlich intelligenter und aufgeweckter Junge. Seine Eltern achten darauf, dass er weder zu viel Computerspiele spielt noch Fernsehen guckt. Er ist gut in der Schule und hat auch die Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Und doch tat sich Martin unglaublich schwer mit dem Lesen. Weder las er gerne, noch flüssig und nach dem lauten Vorlesen hatte er nur eine leise Ahnung von dem, was er gelesene hatte. 

Nach einem ersten Screening und der Auswertung des Anamnesebogens lagen folgende Erkenntnisse vor:

Lesen war ihm anstrengend und erfolgte meist mithilfe von Finger oder Lineal
Sein Schriftbild war unsauber, die Aufteilung auf dem Papier war unübersichtlich und unkoordiniert
Am Ende der Zeile ging es bergab, auch schrieb er oft unterhalb der Zeile
Extreme Licht- und Blendempfindlichkeit bis hin zu geröteten Augen und Blinzeln bei kleinstem Sonneneinfall,
Blitzlicht vom Fotoapparat konnte er gar nicht ertragen Übelkeit und Schwindel bei Karusselfahren und im Bus oder Auto

Die Augenbeweglichkeit war so weit eingeschränkt, dass sie kaum testbar war,
das gleiche galt für die Konvergenz (Fähigkeit die Augen einwärts zu drehen wie beim auf die Nase schauen)
Seine Akkommodationsfähigkeit (die Fähigkeit von Ferne in die Nähe umzuschalten und dabei scharf zu sehen) war unterdurchschnittlich und nicht altersentsprechend.
Die Fähigkeit zur Binokularität (Beidäugigkeit) und Fusion (Verschmelzung der Bildeindrücke von beiden Augen im Gehirn) war im Ansatz in der Nähe vorhanden, jedoch jeglich ohne Reserven.
In der Ferne konnte Martin nicht fusionieren.

Martins Probleme rühren im Grunde von einer nicht gut entwickelten Augenbeweglichkeit. Alle Augenfunktionen und Sehfähigkeiten basieren zunächst auf der Fähigkeit, die Augen im Großen und im Kleinen exakt zu bewegen. Nur bei einer „geschmeidigen“ Augenmuskulatur kann ein Mensch fixieren, kleinste Blicksprünge (Sakkaden) machen und die beiden Augen koordiniert bewegen und nutzen.

Morgen: wie und was Martin trainierte.

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