Warum wirken Sonne und Mond am Horizont oft größer?

HorizontMond_WT01Es erscheint zuweilen so, als würde der Mond in Horizontnähe deutlich größer sein als weit oben am Himmel. Das ist allerdings eine rein optische Täuschung, die auch als Mondillusion bekannt ist. Überprüft man nämlich die Größe des Mondes – beispielsweise mit einem Geldstück am ausgestreckten Arm – wird man erkennen, dass sich seine Größe nicht geändert hat.

Sehen wir einen Himmelsköper hoch über uns, escheinen sie uns kleiner, weil es hoch am Himmel keine optischen Vergleichsmöglichkeiten gibt. Die Standarderklärung für das Phänomen ist, dass die Wahrnehmung der Mondgröße im Gehirn anders abläuft, wenn am Horizont eine ganze Landschaft mit Häusern oder Bäumen – Objekte mit bekannter Größe – zwischen uns und Sonne oder Mond steht. Das suggeriert unserem Gehirn mehr räumliche Tiefe und damit eine größere Entfernung. Wir glauben, der Lichtball, den wir eben noch am Himmel so klein gesehehn haben, jetzt weil weiter weg und damit größer sein muss.

Theorie der vergleichenden Objekte
Auf den italienischen Psychologen Mario Ponzo (1882-1960) geht die so genannte 005_zm_02zurück, nach der der Mensch die Größe eines Objektes durch Vergleich mit dessen Umgebung interpretiert. (siehe Grafik Ponzo-Illusion).

Steht der Mond am Horizont, so lassen sich Bäume und Häuser als Vergleichsobjekte heranziehen. Da unser Gehirn weiß, dass der Mond wesentlich größer ist als diese, vergrößert es den Mond, damit die richtigen Verhältnisse hergestellt sind. Steht der Mond alleine am Himmel ist das nicht nötig.

!!!!!!Aber, so weit lediglich die Theorie. Dagegen spricht, dass sich das Phänomen Mondvergrößerung auch aus Flugzeugen beobachten lässt – in Höhen also, in denen keine Vergleichsobjekte am Horizont mehr erkennbar sind!!!!!

phd-mond-illusionDeshalb gehen die meisten Forscher heute von einer anderen Erklärung aus. Die Menschen, so lautet diese, nehmen das Himmelsgewölbe nicht als perfekte Halbkugel wahr, sondern als eine abgeflachte Kuppel. Der Zenit über uns scheint uns also näher zu sein als der Horizont. Tatsächlich rechtfertigt sich diese Vorstellung durch Wolken, Flugzeuge und Vögel: Fliegende Objekte über uns sind uns im Allgemeinen tatsächlich näher als fliegende Objekte am Horizont. Unser Gehirn zieht daraus den Umkehrschluss, dass ein Objekt am Horizont weiter entfernt und somit tatsächlich größer ist als ein Objekt scheinbar gleicher Größe über uns. Das bedeutet, dass unser Gehirn ein Objekt am Horizont größer erscheinen lässt als ein gleich großes Objekt im Zenit.

© Dirk Rathje / Welt der Physik

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Forscher entschlüsseln die Strukturen des Sehens

Sehen entschlüsseltForschern des Paul Scherrer Instituts ist es gelungen ein genaues Bild der ersten Stufe des Sehvorgangs zu liefern. Dieses Ergebnis dürfte zum besseren Verständnis der erblichen Augenkrankheit Retinitis Pigmentosa beitragen und möglicherweise Wege für deren Behandlung oder Verlangsamung aufzeigen. Gleichzeitig liefert das Ergebnis die Basis für das Verständnis vieler weiterer Vorgänge im Organismus, die auf einem ähnlichen Mechanismus beruhen – etwa die Wahrnehmung von Gerüchen oder die Steuerung von Abläufen über Hormone.
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